Auf der Suche nach dem Ich

Das Ich ist das einfachste und komplizierteste Thema zugleich. Als grammatisches Phänomen bezeichnet es die 1. Person Singular: ich meine mich selbst. Dabei liegt man selten falsch. Fragt man jedoch genauer nach, was das Ich ist, dann wird es schwieriger. Menschliche Identität ist nie ganz fertig. Wir verändern uns im Laufe des Lebens ständig. Auch wenn die Sprache uns Glauben macht, das Ich sei das einfachste und bestimmteste, so zeigt sich doch bald, dass das eine Illusion ist. Spätestens seit Freud kennen wir die Trias Es, Ich, Über-Ich, und selbst das ist eine starke Vereinfachung dessen, was Person und Selbstsein ausmacht.

Freuds Trias von Es, Ich und Über-Ich eignet sich dennoch recht gut, unser Anliegen zu verdeutlichen: Im Coaching ist das Ich angesprochen, denn es hat die Funktion, unser seelisches Gleichgewicht zu erhalten und damit auch Wohlbefinden und Gesundheit. Das Ich ist also die zentrale Instanz, an der Körper und Geist, Triebleben und moralisches Empfinden, Innen und Außen zusammentreffen. Man kann es sich als eine große Kreuzung vorstellen, an der zwei wichtige Verkehrsadern zusammentreffen und sich mischen. Das Ich hat die Funktion, den Verkehr zwischen dem Innenleben, den Emotionen und Affekten und den Anforderungen der Außenwelt, des Berufs, der Familie, der Gesellschaft zu regulieren. Dieses Ich muss die Spannung zwischen jenen beiden Ebenen aushalten, vermitteln und im besten Fall in ein dynamisches Gleichgewicht bringen: Dynamisch, weil beide Ebenen in ständiger Entwicklung begriffen sind. Weder das innere Empfinden noch die Außenwelt sind je statisch. Beide sind genau genommen Prozesse, die in verschiedensten Mischverhältnissen und Beziehungen stehen.

Im Coaching geht es uns darum, sich des Ichs bewusst zu werden, das Ich zu stärken, es in eine gute Position zu bringen, um mit dieser Spannung produktiv umgehen zu können. Wenn unser Ich von den inneren und äußeren Anforderungen aus dem Gleichgewicht gebracht wird, dann sind Gesundheit und Wohlbefinden betroffen. In den nächsten Wochen möchten wir dem Thema des Ichs nachgehen und zeigen, warum es so wichtig ist, auf dieses nicht nur zu achten, sondern es auch besser zu verstehen.

Beitrag teilen