Das Gehirn ist ein Gewohnheitstier

In unserer kleinen Reihe zum Gehirn geht es um Techniken, ungute Denkfiguren und Angstbilder mit positiven Ideen und Assoziationen zu überschreiben. Allerdings ist das Gehirn kein USB-Stick, auf dem Information beliebig oft ausgetauscht und überschrieben werden können. In der Neurowissenschaft hatte eine solche Idee seit den 50er Jahren durchaus Erfolg: Man betrachtete das Gehirn als eine informationenverabeitende Maschine, kurz einen Computer. Jahrzehntelang hoffte man Computer menschenähnlich zu machen und dem Menschen die scheinbar grenzenlose Rechenfähigkeit der Maschinen beizubringen.

Heute weiß man, dass das Gehirn nicht einfach das Rechenzentrum eines sonst dummen organischen Systems namens Mensch ist. Im Gegenteil, zwischen dem Körper, dem System der Sinneswahrnehmungen und dem Gehirn bestehen enge Wechselwirkungen. Diese Zusammenhänge lassen sich therapeutisch nutzbar machen. Viele kognitive Verbindungen, die Freude, Angst, Unsicherheit oder Optimismus auslösen, sind nicht angeboren, sondern erlernt. Das heißt, wir haben irgendwann (oft in der Kindheit, aber nicht nur) etwas erlebt, was dazu geführt hat, dass wir vor Hunden Angst haben oder Katzen ganz großartig finden. Dafür braucht es keine traumatischen Erlebnisse. Es reicht, dass Eltern bestimmte Verhaltensweisen vorleben und schon bildet sich eine enge neuronale Verbindung zwischen einer bestimmten Wahrnehmung (Hund) und der emotionalen Reaktion (Angst) heraus. Diese Verbindungen sind meistens so stark, dass man glaubt, nichts dagegen machen zu können. Meistens halten wir unsere Reaktionen auf die Welt für begründet und nicht veränderbar.

Das stimmt nicht. Was man erlernt hat, kann man auch wieder verlernen oder wenigstens kreativ neu besetzen. Die neuronalen Verbindungen von Wahrnehmung und emotionaler Reaktion sind zwar oft recht fest, denn es bilden sich ganz unmetaphorisch wirklich enge Netze von synaptischen Verbindungen aus. Das Gehirn besitzt aber die Fähigkeit, neue Verbindungen zu bauen und alte zu überschreiben. Das wird als Neuroplastizität bezeichnet. Man kann sich solche Strukturen wie Knete vorstellen, die neue Formen aus der immer gleichen Materie annehmen kann. Genau das passiert, wenn man Methoden wie die Neuroimagination® im Coaching anwendet. Verbindet man ganz neue Wahrnehmungen mit alten Denkmustern, dann können Angstauslöser neutralisiert und neue Denkformen etabliert werden. Dazu nächste Woche mehr.

 

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