Das Ich – Ist das Kunst oder kann das weg?

Nach unserer kleinen Reise durch das Ich stellt sich die Frage: Wie viel lässt sich eigentlich verändern? Ist die Art und Weise, wie wir fühlen, denken und handeln überhaupt beeinflußbar? Die Gene zum Beispiel können wir nicht beeinflussen. Und so werden wir im Laufe des Lebens unseren Eltern immer ähnlicher, obwohl wir doch ganz anders sein und alles besser machen wollten. Stimmt und stimmt nicht. Geht man dem Ich in der Wissenschaft auf den Grund, stellt sich heraus, das da nicht viel zu holen ist. Das menschliche Genom ist zwar entschlüsselt, dennoch können nur sehr spezifische und eher einfache Formen der Wirkung von Genen überhaupt nachvollzogen werden.

Welche Rolle Gene in der Persönlichkeitsentwicklung spielen, ist bei weitem nicht vollständig erforscht, doch man weiß eines: Es sind eben nicht nur die Gene, die uns zu dem machen, was wir sind. Ein nicht zu unterschätzender Faktor sind epigenetische Prozesse. Das sind Prozesse, die nicht über Gene bestimmt werden, sondern von außen auf genetische Prozesse einwirken: Erfahrung, Erziehung, Einfluss älterer Generationen, Umwelt, Ernährung und der eigene Lebensweg. Nicht alles ist Natur, vieles ist Kultur. Und die lässt sich formen und gestalten.

Wir sind also weder unser Gehirn noch ein Opfer unserer Gene. In gewissem Sinn ist das Ich wie ein Kunstwerk, geformt durch viele innere und äußere Faktoren, Geschichten, Erfahrungen sowie durch die eigene Sicht auf die Persönlichkeit. Gerade diese lässt sich verändern. Selbstwahrnehmung ist einer der wichtigsten Faktoren im erfolgreichen Coaching und Training. Das enge Gefüge von körperlicher Gegebenheit, ererbten Dispositionen, eingefahrenen Denkformen und sozialer Situation ist nicht in Stein gemeißelt. Mit neuen Bewegungserfahrungen und einer Öffnung des Blicks, auf das was sein könnte anstelle dessen, was ist, kann man viel verändern. Sich selbst in einem neuen Licht sehen und Bewegung in alte Gewohnheiten bringen, sind erste Schritte auf dem Weg zu einer neuen Version des alten Ichs.

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