Den Wald vor Bäumen nicht sehen

Bei dem heutigen Wissensstand sollten wir es wissen: Absolut jeder kann in Situationen kommen, in denen der Druck überhandnimmt, Stress zu viel oder das Leben einfach zu komplex wird. Die Frage ist: Warum fällt es den meisten Menschen so schwer, sich Hilfe zu suchen?

Die Warnsignale von Stress und Überforderung zeigen sich in verschiedener Form. Meistens handelt es sich zuerst um Gefühle von Zerrissenheit oder mangelnder Fokussierung. Dazu kommen Gedanken wie „Und das soll ich jetzt einfach so weitermachen? Das Leben rauscht an mir vorüber und wo bleibe ich?“ Möglichst nicht erst  wenn die Signale sich in echte, andauernde Beschwerden, wie Migräne, Magenprobleme oder depressive Verstimmungen und Antriebslosigkeit verwandeln, ist es an der Zeit, Unterstützung zu suchen.

Die muss nicht gleich medizinischer oder therapeutischer Art sein. Oft hilft schon eine gute psychologische Beratung, ein Coaching- ein Blick von außen. Eine Vogelperspektive hilft, wenn man den Wald vor Bäumen nicht mehr sieht. Man muss sich jedoch erst selbst eingestehen, dass Hilfe notwendig ist. Der Verstand springt hier schnell herbei und flüstert dem Bauch ins Ohr: Das krieg ich schon selber wieder hin! Oder: Der nächste Urlaub kommt schon! Und überhaupt: In meiner jetzigen Position kann ich doch keine Schwäche zeigen, was sollen denn die jüngeren Kollegen denken? Auch beliebt: Ich habe es immer allein geschafft, also wird das jetzt auch irgendwie vorbei gehen.

Kennen sie diese Stimme, die den Samurai in Ihnen beschwört? Ich denke, wir kennen sie alle. Wir kennen aber auch das gute Gefühl, wenn es jemand schafft, die eigenen Ängste zu relativieren und Licht ins Dunkel der vielen Möglichkeiten und Notwendigkeiten zu bringen. Manchmal ist die Stimme des Verstandes eine trügerische. Das zu erkennen ist nicht unbedingt eine Kunst, erfordert aber den Mut, Hilfe anzunehmen.

 

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