Du bist genug: Das Bedürfnis nach Anerkennung und Selbstwert

Das Gefühl, nicht genug zu sein, ist heute sehr verbreitet. Wir sollen unser besseres Selbst verwirklichen und uns außerhalb der Komfortzone zu bewegen, um immer noch mehr zu lernen und zu erfahren. Das klingt nach Abenteuer, aber wer kann schon immer Abenteuer brauchen. Solche Ermutigungsparolen sind nur in medizinischen Dosen wirklich genießbar.

Auch hier beginnen Erfolgs- oder Leidensgeschichten bereits in der Kindheit. Schon früh entwickelt sich ein Gefühl dafür, wie das eigene Selbst von den anderen gespiegelt wird. Ist man schon dort nie genug gewesen, nicht klug genug, nicht schnell genug, nicht hübsch genug, dann setzt sich das im Erwachsenenalter fort. Sich selbst wertschätzen will gelernt sein, und vieles kann man nicht selbst lernen. Wie wir Selbstwert erfahren, hängt von der Anerkennung der anderen ab. Dafür braucht es Herausforderung, Unterstützung und auch mal bedingungslose Liebe.

In unserer Zeit des pausenlosen Konkurrenzkampfes ist das nicht einfach. Selbst Eltern, die ihre Kinder wirklich bedingungslos lieben, glauben, sie durch Kritik zu stärken. Schließlich muss man in die bessere Schule und auf die beste Uni kommen. Kritik ist per se nicht schlecht, wenn man sie zu üben weiß. Das ist gerade in Deutschland nicht selbstverständlich, denn wir haben eine sehr unverblümte Art zu sprechen.

Paart sich Kritik mit Missachtung, dann ist es meisten dahin mit dem Selbstwertgefühl. Auch dicke Bärenfelle tendieren dann schon mal zum Haarausfall. Wir leben in einer Kritikkultur, die oft zur Unkultur wird. Nur wenige wissen, wie konstruktive Kritik geht. Tatsächlich lässt sich das Selbstwertgefühl jederzeit aufbauen, wenn man Menschen anerkennend begegnet. Aber auch das will gelernt sein und auch das bedarf wiederum eines gesunden Selbstwertgefühls.

Nicht nur Menschen, die wenig Anerkennung erfahren haben, mangelt es an diesem Gefühl. Auch diejenigen, die anderen die Anerkennung verweigern, haben ein sehr kleines Selbstwertgefühl. Sie wissen das nur gut zu verbergen. Um das Selbstwertgefühl zu stärken, muss man lernen, ebenso Anerkennung zu geben wie sie auch wahrzunehmen und anzunehmen. Es geht immer darum, die eigene Wahrnehmung zu schärfen, denn oft ist das Umfeld nicht so einfach zu ändern.

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