Ererbtes Verhalten – Prägung jenseits des Individuums

Im letzten Blog ging es um neuronal verankerte Prägungen und wie man die durch die Methode der Neuroimagination© überschreiben kann. Auch in der Kindheit erlernte, fest verankerte Glaubenssätze lassen sich durch die Stimulation aller Sinne verändern. Einmal etablierte neuronale Verbindungen sind nicht zwingend für immer und ewig festgeschrieben. Das nennt man im Fachjargon Plastizität des Gehirns. Neuronale Verbindungen sind bis zu einem bestimmten Punkt formbar.

Heute geht es allerdings um eine tiefere Form der Prägung, die auf die Generationen der Eltern und Großeltern zurückgeht. Dabei handelt es sich um Weitergabe von Verhaltensweisen, die aus Erfahrungen resultieren. Stress und traumatische Erfahrungen ändern nicht nur etwas in der individuellen Psyche, sondern haben einen Einfluss auf die Zellbiologie. Lange Zeit ging man davon aus, dass eine Weitergabe von Eigenschaften nur durch die Gene möglich sei. Daher gab es keine wissenschaftlichen Beweise für die Beobachtung, dass sich Verhaltensmuster über Generationen fortschreiben oder einander bedingen.

Das noch recht junge Forschungsgebiet der Epigenetik geht über die traditionelle Sichtweise der Genetik hinaus. Die Art und Weise, wie Gene in der menschlichen Entwicklung wirksam werden, hängt davon ab, wie sie aktiviert werden. Dafür sind Prozesse (Chromatin-Modifikationen) außerhalb (epi-genetisch) des Gens selbst notwendig, die die einzelnen Bestandteile des genetischen Codes wirksam werden lassen oder eben nicht. Gerade diese Prozesse können verändert oder gestört werden durch Ernährung, Stress, Drogen oder Traumata. Diese Veränderungen, so belegen jüngste Forschungen, werden an kommende Generationen weitergegeben.

Im Klartext heißt das: Wir tragen die Erfahrungen unserer Eltern und Großeltern in uns. Haben die Großeltern Hunger gelitten, kann es sein, dass die Enkel zu verstärkter Zuckeraufnahme neigen und dadurch an Diabetes oder Adipositas erkranken. Ähnliches gilt für emotionale Verhaltensweisen in Mutter-Kind- oder Liebesbeziehungen. Nicht alle unsere Probleme sind hausgemacht. Viele sind ein Spiegel des generationellen Zusammenhangs. So sind sie weder rein biologischer (Genetik) noch rein psychologischer Natur (Elternhaus). Das Wissen um diese Einflüsse wird in der Zukunft zu neuen Therapien führen und hilft bereits jetzt, individuelle Veranlagungen besser zu verstehen.

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