Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt: Dynamische Werte

Das Leben nimmt manchmal komische Wendungen. Oft findet man sich in Situationen, mit denen man im Traum nicht gerechnet hätte. Eine plötzliche Trennung, ein Todesfall oder eine neue Karriere: In solchen Situationen überdenkt man sein bisheriges Leben, setzt neue Prioritäten und man verändert unter Umständen auch lang bestehende Wertvorstellungen. Im vorangegangenen Blog haben wir über den Ursprung von Werten und ihre ursprüngliche Dynamik gesprochen. Eine wichtige Einsicht ist: Werte sind nicht festgeschrieben, weder durch die Kultur, die Religion noch durch die eigene Biographie und Familientradition.

Werte sind dynamisch, sie entstehen im Leben des Lebens. Dramatische Veränderungen bringen es mit sich, dass man viele Dinge neu überdenken muss oder sollte. Dazu gehört natürlich zunächst die Bereitschaft, etwas neu zu betrachten und zu verändern. Das ist oft leichter gesagt als getan. Schließlich sind es gerade Werte und Überzeugungen, die Orientierung und Sicherheit im Handeln geben. Will man, wenn alles fortschwimmt, auch noch an den letzten Fundamenten rühren? Das ist keine leichte Aufgabe.

In einer solchen Situation kann man sich die eigenen Werte und Überzeugungen wie einen unaufgeräumten Kleiderschrank vorstellen. Einiges passt noch, anderes gehört zu einer vergangenen Zeit und ist längst reif für den Müll. Diese alten Sachen versperren nicht selten den Blick für Neues. Aufräumen von Kleidung oder Überzeugungen funktioniert besser mit Hilfe des Blicks eines Anderen. Wir hängen oft viel zu sehr am Alten, um zuzugeben, dass es längst ausgedient hat.

Alle wichtigen Werte und Überzeugungen haben ihren Patz und Ursprung im gelebten Leben, seinen Veränderungen, Bewegungen und nicht zuletzt der eigenen Körperlichkeit. Das alles ist im beständigen Fluss. Unverrückbare Überzeugungen können da zu gefährlichen Hindernissen werden. Das heißt natürlich nicht, dass man seine Fahne in den Wind hängen sollte oder sich von der Suche nach dem Guten, Wahren und Schönen abbringen lassen sollte. Dennoch gibt es viele Glaubenssätze, die besser geprüft werden sollten, bevor man sie mit ins neue Leben nimmt. Eine Bestandsaufnahme im Rahmen einer Werteanalyse kann viel klären und neue Wege öffnen.

 

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