Glückliche Roboter – traurige Menschen?

Die Aufklärung hat den Menschen aus dem Dunkel des Mittelalters in das Licht der Vernunft und des Selbstdenkens geführt. Dieses Erbe begleitet uns noch heute. Gerade titelt die Neue Zürcher Zeitung in einer Werbeanzeige: „Die wunderbare Zumutung, selbst denken dürfen zu müssen.“ Das bringt die Situation des modernen Menschen auf den Punkt. Wir leben in dem Luxus, selbst denken zu dürfen und sind dazu verurteilt, es auch zu müssen.

Bereits in der Romantik, im Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert, fühlten viele Menschen den Druck des rationalen, vernünftigen Denkens so stark, dass viele Denker neue Wege suchten, Emotionen und Gefühle als dem Verstand ebenbürtige Formen des Weltbezugs zu rehabilitieren. Nicht immer weiß der Verstand es besser: Oft fühlen sich die Resultate vernünftiger Kosten-Nutzen-Erwägungen nicht richtig an, auch wenn die Zahlen stimmen.

Die Romantik mit ihrem Hang zur Natur, zum Märchen und den Gefühlen wurde sehr bald von den Laufbändern und Großproduktionen der Industrialisierung abgelöst. Die Logik von Produktion und Effizienz bestimmt uns seitdem in den meisten Bereichen des Lebens, bis hinein ins gut organisierte Familienleben.

Die Logik des Verstandes ist auch die Logik der Maschinen, der neuen Pflegeroboter, der klugen Algorithmen und der selbstfahrenden Autos. Dort gibt es keine Intuitionen oder Emotionen. Höchstens das Design vermittelt ein wenig Lebendigkeit, die wir gerade im Falle der Roboter sehr schnell dankbar annehmen.

 

Ähnlich wie in der Zeit der Romantik, finden wir uns auch in einer Zeit des Übergangs. Die Welt der Arbeit wie auch unsere Lebenswelt, unserer Haushalte und Städte werden sich mit den intelligenten Technologien fundamental verändern. Der Anteil von kühler Berechnung und rationaler Logik wird viel größer sein als je zuvor. Wo also bleibt der Mensch mit seinen Emotionen und Intuitionen? Spielen die noch eine Rolle oder werden wir bald zu unglücklichen Robotern?

Menschliche Gefühle sind ein recht komplexes Thema, dem wir in den nächsten Beiträgen auf den Grund gehen werden. Eines sei vorab gesagt: Es besteht die berechtigte Hoffnung, dass wir auch den niedlichsten Robotern eines voraushaben, das ist unser Bauchgefühl.

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