Im Dschungel der Daten

Noch vor dem Frühstück warten 128 Emails auf schnelle Beantwortung. Während man versucht, bereits einen Teil der Arbeit vor der Fahrt ins Büro zu erledigen, bemerkt man kaum, dass der Kaffee schon fast kalt ist und das, was der Partner gerade erzählt, nur bruchstückhaft ans Ohr gedrungen ist. Kommt Ihnen das bekannt vor? Solche Situationen erzeugen einen Informationsstress, mit dem die menschliche Wahrnehmung umgehen lernen muss. Die gute Nachricht ist: Dazu sind wir im Stande.

Das menschliche Denk-und Wahrnehmungsvermögen verändert sich mit den jeweiligen neuen Medien eines Zeitalters. Es gab nie einen paradiesischen Zustand, in dem der Mensch mit seinen nächsten und der Natur in purem Einklang und rein positiver Verbundenheit gelebt hätte. Jede Form der Kultur und jede technologische Entwicklungsstufe bringt neue Herausforderungen, Brüche und Stresssymptome mit sich. War es zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Hysterie, die ihre Zeit symptomatisch begleitet, zum Ausgang des Jahrhunderts die Schizophrenie, so ist es heute das Burnout-Syndrom.

Worin besteht nun die Spezifik unseres derzeitigen Zustands? Ein wichtiger Aspekt ist das Missverhältnis von Daten und Information. Diese Begriffe unterscheiden sich mehr als man zunächst denkt. Daten sind unverarbeitete Informationen. Sie sind unpersönlich und in Reinform für niemanden relevant. Erst wenn sie aufgenommen und auf eine Frage oder eine Erfahrung bezogen werden, dann spricht man von Informationen. Informationen sind für jemanden relevant: Sie antworten auf eine Frage und nehmen einen Platz ein im Erfahrungszusammenhang.

Die Herausforderung im Alltag besteht darin, zwischen Daten und relevanten Informationen zu unterscheiden. Dazu gehört auch zu wissen, was in dem jeweiligen Moment Priorität hat und wie sich das Verhältnis von virtueller Information und der lebensweltlicher Situation managen lässt. Auf die Dauer wird das morgendliche Multitasking zum Beispiel problematisch, wenn sich der Partner nicht gehört fühlt oder man das erste Wort des Nachwuchses schlicht überhört hat.

Zeit- und Informationsmanagment wollen nicht nur erlernt werden. Oft bedarf es auch einer Perspektive von Außen, um Wichtiges vom Unwichtigen, Existenzielles vom Unbedeutenden zu unterscheiden. Genau hier können Coaches helfen, aber auch Trainer: Positive Erschöpfungszustände nach dem Training verhelfen ebenfalls zu einem klaren Kopf und neuen Prioritäten.

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