Konflikte lösen, wenn man keine Axt zur Hand hat, Folge 3

Es gibt Punkte, an denen jede Kommunikation in eine Sackgasse läuft. Dann braucht es neue Kommunikationsstrategien und vielleicht sogar Dritte, die schlichten helfen. Abschließend in unserer Reihe zum Thema Konflikt geht es um die Strategie der gewaltfreien Kommunikation (GFK). Diese wurde von dem amerikanischen Psychologen Marshall B. Rosenberg in den 1960er Jahren als Reaktion auf die amerikanische Bürgerrechtsbewegung entwickelt. Diese Methode verbindet Ideen aus der westlichen Psychologie und hinduistischen Elementen der Gewaltfreiheit (Ahimsa), die auf die Upanishaden und Mahatma Gandhi zurückgehen.

Die grundlegende Idee der GFK ist es, 4 zentrale Schritte zu verbinden: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte. Die ersten drei Begriffe sind in den bisherigen Beiträgen bereits ausführlich beschrieben worden. Jetzt gilt es, sie zu einer Form der Kommunikation zu verbinden. Entscheidend dabei ist die Bereitschaft aller Beteiligten, sich auf einen solchen Perspektivwechsel einzulassen, dann Empathie oder Einfühlung in sich selbst und die Anderen sind der Schlüssel zu dieser Methode. Die Bereitschaft, sich darauf einzulassen, ist gerade im Business nicht immer gegeben. Deswegen bedarf es oft Vermittler, um damit Erfolge zu erzielen.

Der erste Schritt auf dem Weg zur GFK ist die objektive Beobachtung. Das heißt: Man beobachtet die Situation (vor-)urteilslos. Das allein ist schon recht schwierig, wenn man emotional gerade voll geladen ist. Beobachtung ohne Urteil ist ein wichtiger Bestandteil vieler Meditationsformen. Beobachtet wird dabei alles: Die Anderen, das Umfeld und die eigenen Gefühle. Diese stellen auch den zweiten Schritt dieser Methode dar: Die subjektive Wahrnehmung der eigenen Gefühle, die man anhand von somatischen Markern erkennen kann. Was sagt das Bauchgefühl? Baut sich eine Spannung im Nacken auf? Wird der Puls schneller? All diese Signale können Auskunft über Schräglagen im Miteinander geben. Hat man diese bemerkt, kann man aus der Kombination von Beobachtung und Einfühlung ableiten, welche Bedürfnisse (dritter Schritt) zu kurz kommen oder verletzt sind. Mit diesem Wissen lässt sich dann die Bitte (vierter Schritt) formulieren, etwas zu ändern, um den Bedürfnissen der Beteiligten gerecht zu werden.

Es geht also darum, von Anschuldigung, Abweisung und Forderung wegzukommen. Stattdessen können Beobachtung und Empathie zusammen eine Art des Sprechens ermöglichen, die ohne Gewalt auskommt. Wenn aber der Wolf im Schafspelz die Bitte nicht zur Kenntnis nimmt, könnte die Axt doch noch zum Einsatz kommen. Hoffen wir, sie wird in den nächsten Tagen nur zum Fällen des Weihnachtsbaums benutzt und nicht zur Zurechtstutzung der Familienmitglieder. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

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