Medizin der Zukunft – Her mit dem schönen Leben!

Wenn es eine Medizin gäbe, die uns ewig jung bleiben lässt, würden Sie sie nehmen? Das Versprechen eines gesunden und sehr langen Lebens treibt die Arbeit an einer Medizin der Zukunft. Darüber hinaus möchte man ein solches Leben in einem gesunden Körper mit klugem Geist verbringen. Heute schon werden die Menschen im Schnitt doppelt bis dreimal so alt, wie unsere mittelalterlichen Vorfahren. Dennoch können wir den Alterungsprozess der Zellen nur bedingt verlangsamen. Zum hohen Alter tragen Medizin, gute Lebensbedingungen, Ernährung und Fitness bei. Der Traum, das Altern ganz aufhalten zu können, ist noch nicht wahr geworden.

Eine Serie vom Sender Arte nimmt diese Fantasie unter die Lupe: Ad Vitam (2018). Dort wird eine Welt imaginiert, in der sich Menschen ab 31 einer Regenerierungstechnik unterziehen können, die den Körper auf dem Stand der Alterung am Tag der ersten Anwendung hält. Bis zu diesem Alter allerdings bleiben die Menschen unmündige Teenager, die alterslosen Eltern gegenüberstehen. Die Rebellion der jungen Menschen besteht darin, Suizid zu begehen oder überhaupt gegen das cleane Leben der Eltern zu rebellieren. Auch unter den alterslosen Erwachsenen entwickeln sich Phänomene des Lebensüberdrusses. So verwickelt sich die Hauptfigur immer wieder absichtlich in Schlägereien, um den eigenen Körper und die Lebendigkeit wieder zu spüren. Die Unendlichkeit der Lebensperspektive führt zum Unvermögen zu trauern und zu leidenschaftlich zu leben. Es scheint sich eine allgemeine Lethargie unter den alten jungen Menschen auszubreiten, die vor allem Leben, um weiterzuleben.

Was also ist dieses schöne Leben, von dem wir alle träumen? Ist es die Länge des Lebens oder brauchen wir die Begrenzung der Zeit, um wirklich lebendig zu sein? Das gute Leben ist auch ein langes Leben, aber nicht nur und nicht notwendigerweise. Das Gute und Schöne kann nur erlebt werden, wenn man es wertschätzen kann. Ein Grund, etwas wertzuschätzen, ist Vergänglichkeit. Man genießt, weil nichts, was genossen wird, von ewiger Dauer ist. Wenn etwas immer verfügbar ist, dann verliert es seinen Reiz. Könnte man jeden Morgen ein Austernfrühstück mit Champagner genießen, wäre es bald nichts Exklusives mehr. Das Seltene, Flüchtige, der Augenblick – sie bringen die Dinge des guten Lebens. Die Kunst besteht darin, im richtigen Moment das Leben zu genießen.

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