Mein Tanzbereich – dein Tanzbereich

Den eigenen Tanzbereich kennen und nutzen – dieses Bild aus dem unsterblichen Filmklassiker Dirty Dancing, macht einen wichtigen Aspekt der Verbundenheit deutlich: Es ist ein menschliches Grundbedürfnis, uns mit andern Menschen zu verbinden und zugleich die eigene Autonomie zu wahren. Jeder Mensch braucht seinen Raum im körperlichen und mentalen Sinn – ein Raum der andere einläßt, aber auch Rückzugsort ist. Jeder Einzelne, wie auch jede Kultur definieren diesen Raum anders.

Der Körperraum ist die gefühlte Grenze des eigenen Körpers plus die Distanz, die wir brauchen, um uns in Gegenwart anderer wohlzufühlen. Die kann mal größer und mal kleiner ausfallen, variiert mit der eigenen Erfahrung, dem Gegenüber und kulturellen Konventionen. Wir alle kennen Menschen, die anstelle einer Umarmung eher eine Umkreisung des Anderen mit scheuem Tätscheln am Rücken fabrizieren. Auch ist wohl jedem schon mal unwohl gewesen, weil ein anderer zu nah auf die sprichwörtliche Pelle rückt. Diese Erfahrungen zeigen, dass unser Körper Grenzen hat, die ins Bewusstsein rücken, sobald sie auf die eine oder andere Art irritiert werden.

Diese Grenzen sind nicht absolut, sie sind variabel, durchlässig und verletzbar. Nur weil sie das sind, können wir mit anderen verbunden sein und sie in unser Leben lassen. Sympathie oder Anziehung verändern unser Grenzempfinden genauso wie Abneigung. Diese natürlichen Zeichen unseres Körperbewusstseins geben uns oft viel früher als der Kopf eine Idee, wie wir zu anderen stehen. Gleiches gilt auch für Räume oder Kleidung, auch sie stehen in direkter Verbindung mit dem Körperraum.

Was für den Körper gilt, gilt auch für den mentalen Bereich. Auch da gibt es ganz individuelle Grenzen dessen, was wir denken, fühlen und verarbeiten können. Wie flexibel wir auf Veränderung reagieren, wie wir mit Kritik und neuen Herausforderungen umgehen: All das bewegt sich innerhalb bestimmter, durchaus dynamischer Grenzen. Wir können lernen, diese zu erweitern oder zu überschreiten. Wir müssen aber auch lernen, sie zu schützen. Nur wenn man gelernt hat, sie zu erkennen und mit ihnen umzugehen, kann man über sich hinaus und mit anderen zusammenwachsen.

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