Ohne Kuscheln geht’s nicht…

Ja, wir sind Säugetiere. Wir brauchen Körperkontakt, emotionale Nähe und Bindungen zu anderen Menschen. Dafür gibt es einfache Gründe. Die gehen zurück in die Frühzeit der Menschheitsgeschichte. Der Mensch hat seine spezielle Art zu denken und sich selbst bewusst zu sein, nicht einsam in der Höhle entwickelt. Ganz im Gegenteil: Erst als sich die einsamen Jäger und Sammler in Gruppen zusammengeschlossen haben, fanden wichtige Entwicklungen statt. Die menschliche Intelligenz lebt von der Kommunikation und dem engen Kontakt mit anderen.

Erst als die Menschen in der Lage waren, die Absichten anderer zu verstehen und so zusammen in Gruppen zu agieren, begann sich Kultur zu entwickeln. Man erzählte sich gegenseitig Geschichten, entwickelte ein gemeinsames kulturelles Gedächtnis und bald traten auch Schrift und theoretisches Denken auf den Plan. Nichts von dem wäre möglich gewesen, wenn der Mensch ein Einzelgänger geblieben wäre.

Natürlich sind wir alle sehr verschieden. Einige brauchen mehr Nähe und soziales Leben als andere. Ganz ohne geht es aber nicht. Unser Bedürfnis nach Bindung und Liebe entwickelt sich früh. Frühkindliche Kontakte entscheiden darüber, was wir später als Erwachsene brauchen, suchen oder wollen. Das Spektrum dieses grundlegenden Bedürfnisses nach Bindung erstreckt sich vom einfachen Körperkontakt, in dem man sich und andere spürt bis hin zu Freundes- und Liebesbeziehungen. Dabei muss es nicht immer die große romantische Liebe sein.  Menschen ohne Partner, aber mit guten Freunden können völlig zufrieden sein, während Paarbeziehung auch massiv unglücklich machen können.

Selbst das Bedürfnis nach Körperkontakt ist relativ von Mensch zu Mensch und sogar von Kultur zu Kultur. Dass es ohne aber nicht geht, zeigt auf sehr spannende Weise die Kulturwissenschaftlerin Christiane Amanpour mit Blick auf Japan. Sie untersucht das Liebesleben verschiedener Kulturen. In Japan (wie auch früher in Deutschland) ist es nicht üblich, Kinder zu umarmen oder mit ihnen zu kuscheln. Dieser fehlende Körperkontakt führt im Erwachsenenleben nicht nur zu Bindungsproblemen, sondern auch zu gestörten Körperverhältnissen. So ganz relativ ist die Sache mit dem Kuscheln also doch nicht. Die Kunst besteht darin, jenseits familiärer und kultureller Konventionen zu verstehen, welche und wieviel Nähe und Bindung man braucht.

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