Romantik mal anders: Visionäre Unternehmenskultur

Gefühle und Unternehmen scheinen nicht wirklich zusammenzupassen. Profitdenken geht eher über Leichen als auf Kuschelkurs. Können oder sollen Gefühle eine Rolle in der Unternehmenskultur spielen? Das ist eine schwierige Frage. Schließlich ist die Kultur der Moderne ganz auf Rationalität und Objektivität ausgerichtet. Mit den klugen Maschinen unserer Tage scheint das Ideal von Rationalität uns selbst zu überholen. Wir können einfach nicht so schnell rechnen wie Computer.

Vielleicht genau aus diesem Grund treten Zukunftsforscher und Berater wie Tim Leberecht für eine neue Unternehmenskultur ein. In seinem Buch Business-Romantiker (2015) tritt er dafür ein, der Rationalität der Maschinen menschliche Visionen und Kreativität entgegenzusetzen. Erst wenn wir es schaffen, technologische Effizienz mit Phantasie und Geheimnis zu paaren, können wir laut Leberecht erfolgreich neue Marken und Unternehmen schaffen .

Ganz konkret lässt sich beispielsweise die Rhetorik der Unternehmensphilosophie und die Art des Sprechens überhaupt in Firmen analysieren, um die darin verborgenen Emotionen zu verstehen. Das ist eine Möglichkeit, über den Weg der Sprache das Tor für Kreativität und neue Visionen zu öffnen. Jedenfalls hat die Wortwahl einen nicht zu unterschätzenden Einfluss darauf, wie Dinge affektiv aufgenommen werden.

Leberecht hat aber noch größeres im Sinn und ist damit nicht allein. Die meisten Unternehmen werden in den nächsten Jahren vor der Herausforderung stehen, sich selbst, ihr Produkt und den Wert menschlicher Arbeit neu zu definieren. Kreativität und Phantasie – das Denken von Möglichem und Unmöglichem sind dabei zentral. Interessanterweise erwähnt er auch den Begriff des Geheimnisses, also des Verborgenen, Opaken.

Wagt man einen Blick in die Evolutionsgeschichte des Menschen, dann war das ein wichtiger Faktor für die Auswahl von Siedlungsplätzen. Man bevorzugte Landschaften, die weite Ausblicke boten, aber auch Verstecke. Sie mussten darüber hinaus so ein gewisses Maß an Verborgenem, an Geheimnis aufweisen, um den Betrachter zur weiteren Entdeckung aufzufordern. Damals waren das in erster Linie Savannen, heute gilt das eher für mittelgroße Städte. Menschen bevorzugen Umgebungen, die zu Erkundung einladen, die etwas Geheimnisvolles haben, ohne bedrohlich zu wirken. Wenn wir es schaffen, solche Qualitäten zusammen mit neuen Technologien in Unternehmenskulturen zu integrieren, werden wir uns um Kreativität auch in der Zukunft wenig Sorgen machen müssen.

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