Somatische Marker: Die Weisheit des Körpers

Der Körper, dein Freund und Helfer: So oder ähnlich sollten wir ihn jedenfalls betrachten. Die Signale des Körpers wahrnehmen und verstehen lernen, heißt auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Die Frage ist: Was unterscheidet diese Erfahrungen von denen, die wir bewusst erinnern können? Sind wir vielleicht doch geteilte Wesen? Ein rational Denkendes und ein irrational Fühlendes? Und wenn ja, wie viele gibt’s dann noch? Keine Angst! Dem ist nicht so. Das Körpergedächtnis und die somatischen Marker, die es produziert, sind keine geheimnisvolle andere Ebene des Ichs. Sie gehören zu unserer Persönlichkeit, genauso wie die Matheschwäche oder die gute Menschenkenntnis.

Das Körpergedächtnis speichert Erfahrungen einfach nicht als Geschichten, sondern als Gefühle. Diese sind zwar ihrem Gehalt nach recht abstrakt, aber sie zeigen sehr konkret an, wie wir uns in ähnlichen Situationen in der Vergangenheit gefühlt haben und wie gut oder schlecht bestimmte Erlebnisse oder Entscheidungen für uns waren. Diese somatischen Marker, die sich in Gefühlen oder körperlichen Reaktionen bemerkbar machen, sind ein exzellenter Wegweiser der Intuition. Sie ersetzen natürlich nicht das Denken, aber ohne diese Gefühle bleibt das Denken blind.

Warum fällt es uns trotzdem oft so schwer, die somatischen Marker zu bemerken. Marker kommt schließlich von Merken und sollte demzufolge auch bemerkt werden. Ein wichtiger Grund für das Ausblenden körperlicher Reaktionen im Alltag ist unsere stark durch Vernunft gesteuerte Kultur. Körperliche Reaktionen werden eher als Störfaktoren wahrgenommen, selten als hilfreiches Indiz für kluge Entscheidungen.

Der Zugang zum Erfahrungsschatz des Körpergedächtnisses kann geschult werden. Die aktive Selbstbeobachtung und -wahrnehmung ist ein Weg. Im Coaching arbeiten wir darüber hinaus mit Visualisierungen, Assoziationen und natürlich Bewegung. Ist man in der Lage, durch Aufmerksamkeit diesen Erfahrungsschatz anzuzapfen, lernt man viel über sich selbst und kann Entscheidung mit größerer Sicherheit treffen. Auf diese Weise lassen sich auch traumatische Erlebnisse erkennen und bearbeiten. Das Körpergedächtnis ist nicht nur ein Wegweiser, es lässt sich auch bearbeiten und positiv beeinflussen.

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