Verstandeskultur I: Was die alten Griechen wussten

In unserer Reihe zum Verstand und warum wir ihm mehr glauben als dem Körpergefühl, soll es nun um die historischen Wurzeln gehen. Das ist eine lange Geschichte. Und sie beginnt, wie sollte es anders sein: bei den alten Griechen. Sie ist also so alt wie unsere Kultur. Zum Glück war man sich bereits damals nicht ganz einig. Platon war ganz Verstandesdenker. Aristoteles hingegen dachte Körper und Geist als Einheit. Beide Linien wirken noch heute nach. Im professionellen Leben gewinnt aber meistens die Verstandesseite. Das erklärt sich nicht nur aus dem modernen Denken, sondern auch aus einer langen Geschichte und Kultivierung dieses Verstandesdenkens.

Wie kam es also zu Privilegierung des Verstandes gegenüber der Intuition des Bauch- und Körpergefühls? Eine einfache Antwort liegt nahe: Der Verstand unterscheidet uns von den Tieren. Nur Menschen können über sich und ihre Stellung in der Welt nachdenken und aus Gründen handeln. Der Körper wird meist als das angesehen, was dem Tier am nächsten kommt. Als Körperwesen sind wir irgendwie auch noch Tier, also nicht rational, eher intuitiv und nicht sehr vernünftig. Platon sah das als ein Problem an. Der Körper, so Platon, hält uns von der Erkenntnis der Wahrheit ab. Er geht sogar so weit, dass er den Körper als das Gefängnis der Seele bezeichnet.

So lange wir also in unseren Körpern gefangen sind, werden wir nie ganz Geist sein und so auch nie eine reine Erkenntnis haben können. Der Körper wird also seit Platon als etwas gesehen, was uns von echtem Wissen abhält und uns in der Nähe der Tiere bleiben lässt. Anders Aristoteles: Er nahm eine stärker naturwissenschaftliche Perspektive ein. Aus seiner Sicht ist es gerade die Form unseres Körpers und unserer Wahrnehmungsorgane, die uns mit der Welt verbindet. Weil das Auge lichtgleich ist, kann es das Licht aufnehmen und uns etwas zu sehen geben. Er betont also die verbindende Funktion des Körpers, während Platon den Körper als Hindernis auf dem Weg zum Wissen beschreibt. Und hier ist die Geschichte noch lange nicht zu Ende…

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