Verstandeskultur II: Trennung von Körper und Geist

Was sich bei den alten Griechen angekündigt hat, wurde über die Jahrhunderte und mit Aufkommen des Christentums nicht besser. Dort ist der Leib sündig und nur die Seele kann auf Erlösung hoffen. Das beeindruckt uns heute nicht mehr wirklich. Ein viel weltlicherer Denker jedoch schon: René Descartes (1596-1659). Von ihm stammt die berühmte Lehre der zwei Substanzen. Die eine ist Materie, die ausgedehnte Substanz: der Körper. Die andere ist die denkende Substanz: der Geist. Erstere nennt man res extensa, den Geist dagegen res cogitans.

Descartes verbindet mit dieser Idee mit einem Beweisgang. Er sucht nach etwas, was sich nicht mehr bezweifeln lässt. Wenn sich so etwas finden ließe, dann kann man darauf alles andere Wissen aufbauen. Dieser sehr philosophische Gedanke führt zu seinem berühmten Traumargument: Descartes beschreibt, wie er sowohl von der Außenwelt, als auch von seinem Körper getäuscht werden kann. Die Wahrnehmung der Außenwelt könnte letztlich auch ein Traum sein. Heute glauben wir eher, dass wir uns in einer Matrix, einer virtuellen Realität befinden könnten.

Natürlich könnte auch der Körper eine Illusion sein. Dafür gibt es nicht ganz abwegige Beispiele: So haben Menschen nach einer Amputation oft das Gefühl, dass der Arm oder das Bein noch da ist und vielleicht sogar schmerzt. Man spricht hier von einem Phantomglied oder Phantomschmerz. Descartes selbst soll übrigens auf mysteriöse Weise verstorben sein. Der Langschläfer musste am schwedischen Hof jeden morgen um fünf aufstehen, um die Königen in Philosophie zu unterichten. Das soll ihn so geschwächt haben, dass er jung verstarb. Sein Körper hatte wohl doch gegen seinen Geist rebelliert.

Das Einzige, was laut Descartes wirklich sicher ist, ist dass ich denke: Ego cogito. Ich denke, also bin ich. In welcher Welt und welchem Körper wir auch immer existieren, sicher ist: wir existieren, solange wir denken. Über die Inhalte können wir uns täuschen, nicht aber über das Faktum, dass wir etwas denken. Dieser Gedankengang war unglaublich einflussreich und hat im Grunde die gesamte Moderne geprägt. In der nächsten Woche verfolgen wir den Weg dieser Idee bis zur Aufklärung.

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