Was ist das gute Leben? Werte in der Praxis

Aristoteles schreibt zu Beginn der Nikomachischen Ethik: „Jede Kunst und jede Lehre, ebenso jede Handlung und jeder Entschluß scheint irgendein Gut zu erstreben. Darum hat man mit Recht das Gute als dasjenige bezeichnet, wonach alles strebt.“ (Erstes Buch, 1094 a 1) Jegliche Handlung, Verhaltensweise oder Entscheidung hat ein Ziel und dieses steht im Grunde immer im Zusammenhang mit der Hoffnung auf Verbesserung, Optimierung, Erfolg und ein gutes Leben. Weil aber das menschliche Leben komplex ist und man verschiedensten Anforderungen genügen muss, kommt es oft zu Situation des Konflikts und der Überforderung.

Im Coaching ist die Analyse von Wertvorstellungen und Erwartungen an das eigene Leben ein zentraler Bestandteil. Denn nicht alles, was als Wert auftritt, hilft dabei, ein gutes Leben zu verwirklichen. Entweder kommt es zu Wertkonflikten oder es stehen Wertideen im Hintergrund des Handelns, die gar keine positiven Werte sind. Dazu gehören z.B. aus der Kindheit übernommene Mantras wie: „Ohne Fleiß kein Preis“. Das betrifft leider sehr oft Frauen. Sie können am Arbeitsplatz zu kaum einer Extraaufgabe nein sagen. Bekannt ist auch das Hochstapler-Syndrom, das aus einer übertriebenen Bescheidenheitsethik resultiert. In diesem Fall kann man nicht an die eigenen Erfolge glauben und lebt mit der Angst, dass man früher oder später als weniger gut, intelligent oder gar als Hochstapler enttarnt wird.

Die Kunst besteht darin, das persönliche Set von Werten zu verstehen, ungute Glaubenssätze auszusortiren und die anderen in ein gutes Zusammenspiel zu bringen. Auch positive Werte können sich ausschließen oder müssen manchmal in einer größeren Perspektive relativiert werden. Nicht selten hört man zum Beispiel, dass das Streben nach Erfolg, einer glücklichen Familie, einem gesunden Körper und einem lebendigen sozialen Umfeld zum Scheitern verurteilt ist. Die oft zitierte Faustregel lautet: „Such dir zwei der vier Sachen aus und vergiß die anderen.“ Das stimmt nicht unbedingt.

Im Rahmen einer Analyse der persönlichen Werte sind durchaus Feinjustierungen möglich, die ein klares Bild von dem geben, was man individuell als Wert setzen und dann auch verwirklichen kann. So werden im gemeinsamen Gespräch anhand von Wertelisten diejenigen ausgesucht, mit denen man sich identifizieren kann. Dann geht es darum zu reduzieren: Zum Beispiel solche zu finden, die sich ähneln und sich auf einen Wert reduzieren lassen. Zahlen für individuelle Wertesysteme lassen sich nicht wirklich angeben. Das Ziel eines Wertecoaching ist es, sich die eigenen Werte vor Augen zu führen und sie zu gewichten bzw. unproduktive Ideen zu erkennen. So wird ein Set entwickelt, welches man leicht vor Augen haben kann. Dass erleichtert das alltägliche Handeln und die Verwirklichung langfristiger Ziele.

 

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