Wenn der Verstand nicht mehr durchblickt

Verstand und Vernunft: die Fähigkeit aus Gründen zu handeln, macht den Menschen einzigartig. Dank des Verstandes können wir uns selbst reflektieren und ein moralisches Bewusstsein entwickeln. Die Benutzung des eigenen Verstandes war Thema und Ziel der Kulturgeschichte seit der Aufklärung. Allerdings war diese Geschichte kein Ruhmesblatt. Licht und Schatten liegen hier unglaublich dicht beisammen. Große wissenschaftliche und gesellschaftliche Errungenschaften stehen verheerenden Kriegen und Ungerechtigkeiten gegenüber.

Die gegensätzlichen Wirkungen des Verstandes finden sich nicht nur in der Kulturgeschichte. Sie sind in einem jeden von uns am Werk. In den letzten Wochen ging es um die Weisheit des Körpers und wie wir diese nutzen können. Oft ist dieser Zugang schwierig, weil Stress und Hektik uns blind machen für die Signale des Körpers. Dann macht ein gezieltes Coaching Sinn. Oft ist allerdings der Weg dahin nicht so einfach. Wann sind wir eigentlich bereit, Hilfe zu suchen? Wann erkennen wir, dass eine Außenperspektive hilfreich wäre? Das Gefühl, von Dingen überrollt zu werden, nicht mehr Herr der Lage zu sein – das ist recht verbreitet. Doch selbst wenn der innere Druck steigt, ist der Schritt in ein Coaching oder andere Formen der Komplexitätsbewältigung schwierig.

Zwar gibt man anderen gerne den Rat, sich coachen zu lassen oder eine Mediation zu versuchen. Doch folgen immer noch wenige selbst dem guten Rat. Dahinter steht meistens die Angst, als schwach zu gelten. Oder man glaubt, keine Zeit oder kein Geld dafür zu haben. Vielleicht fühlt man sich auch in seinem Selbstbild als intelligenter Mensch unterwandert. Alles, was sich hier anführen lässt, sind Gründe, die sich der Verstand zurechtlegt, um möglichst lange ohne Hilfe auszukommen. Und manchmal hat er Recht: Nicht jede Sekunde der Schwäche ruft nach Therapie. Dennoch: Es ist wichtig, zu erkennen, wann Hilfe sinnvoll und notwendig ist. Den Tricks unseres Intellekts und der Frage, wann wir uns Unterstützung suchen sollten, wird uns in den nächsten Wochen beschäftigen.

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